Donnerstag, 22. August 2013

Buchezension: Retrum von Francesc Miralles

Hallihallo!
Kurz vor meiner Abreise gibt es noch eine Rezension zu: Retrum.

Info:

Titel: Retrum
Originaltitel: Retrum
Autor: Francesc Miralles
Genre: Mystery, Thriller (meiner Meinung nach nicht, aber später mehr)
Seitenzahl: 345
Erschienen: Estrella Polar, März 2010
Deutscher Verlag: Loewe (2012)
Preis: 14, 95€
Amazon: http://www.amazon.de/Retrum-Francesc-Miralles/dp/3785570384/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1377157561&sr=8-1&keywords=retrum
Cover:
Originalcover:

Die Story

Christian hat seinen Zwillingsbruder bei einem Motorradunfall verloren und fühlt sich immer noch schuldig. Er kann sich kaum mit anderen Jugendlichen identifizieren und hängt immer öfter mit dem Maler Gerard oder einfach alleine herum.
Eines Tages trifft er dabei auf eine Gruppe blass geschminkter Jugendlicher, die ihre Freizeit auf Friedhöfen verbringen. Chris ist fasziniert von Alexia, Robert und Lorena, die sich selbst Retrum nennen und tritt schon bald ihrer Gruppe bei. Er verliebt sich sogar in Alexia.
Zu viert verbringen sie die Nächte auf Friedhöfen, schminken sich blass und heften eine Frage unter eine violette Blume über ihrer Brust. Wenn sie sich nun auf dem Grab einer gewissen Person zum schlafen legen, erhalten sie eine Antwort vom Toten.
Die vier planen ein Reise durch ganz Europa mit Besuchen auf den berühmtesten Friedhöfen.
Doch in London auf dem Highgate Friedhof, berühmt berüchtigt für all seine Vampirgeschichten, passiert etwas Schreckliches: Alexia wird erstochen und ermordet aufgefunden.
Und damit nicht genug: Es scheint, als würde ihr Geist Rache nehmen wollen, sie verfolgt Christina und Retrum, hinterlässt Nachrichten und greift sogar Alba, Christians neue Freundin an!
Doch was steckt wirklich hinter dem Geist?

Der Autor


Francesc Miralles wurde 1968 in Barcelona geboren.
Er arbeitet als Drehbuchautor und Schriftsgteller, liebt aber nebenbei noch die Musik.
Deswegen ist es kein Wunder, dass die Inspiration zu "Retrum" durch einen Song seiner eigenen Band kam.
Er selber sagt, dass Retrum viele Parallelen zu seiner eigenen Jugend aufweist und er selbst von unheimlichen Schauplätzen gerade so angezogen wird!
In Spanien löste sein Buch einen riesigen Hype aus, auch gewann er dort bereits einige Literaturpreise.
(Bild gefunden: hier; Alles copyright geht an die Betreiber ^^)

Die Genreeinteillung

Auf dem Cover steht ja eigentlich groß und breit Thriller ... Eigentlich. Retrum war nach meinem Geschmack nämlich kein Thriller sondern eher ein Jugenddrama -, Liebesgeschichten - Mischmasch. Sehr lange schwelgt Chris zwischen Alba und Alexia und treibt eigentlich nur in Selbstmitleid. Dreiviertel des Buches, bis sie eben nach Highgate kommen passiert absolut nichts. Und erst recht nichts, was die Spannung eines Thriller aufbauen könnte.
Ohne fies zu klingen, aber wer auch immer auf dieses Buch Thriller geschrieben hat, hat noch nie einen gelesen.
Ich hätte mir etwas ganz anderes erwartet.

Der Schreibstil

Auch der Schreibstil hat mir kaum zugesagt. Der Autor schweift von abgehackt zu unglaublich schnulzig und unrealistisch.
Erstens: Vie in dem Buch klingt einfach nur nach "schnell mal eben hin geschrieben". Ich finde man hätte es noch weiter und zwar viel weiter ausbauen können und auch die Dialoge hätten um einiges länger und spritziger sein können. Es ist nun mal nicht so, dass A etwas sagt, B sagt was und C sagt was und fertig. So zum Beispiel auch die Gespräche zwischen Christian und seinem Vater: Mein Gott, wenn meine Eltern wütend auf mich sind dann sagen sie nicht: "Ich bin böse auf dich" sondern dann liegt eine Diskussion von mindestens einer halben Stunde vor mir! Das und die unglaublich kurzen Kapitel sorgen für ein unglaubliches Gefühl der Abgehacktkeit (das Wort gibt' nicht XD) und den Verlust der Spannung.
Außerdem: Das ganze Buch ist in der Ich - Perspektive verfasst. Das wird überhaupt nicht ausgenutzt. Null. Man sollte meinen, dass es dem Autor so leichter fällt sich so besser in seinen Charakter hineinzuversetzen und eine bessere Stimmung zu erzeugen. Pustekuchen! Man lernt ja leider nicht mal den Hauptcharakter kennen und erfährt nichts über seine Gedanken und Gefühle. Schwache Leistung. Spannung zeigt sich so auch kaum.

Die Charaktere

Die Charaktere sind unglaublich flach. Wie ich oben schon erwähnt habe, kommt man nicht einmal richtig gut mit Chris klar. Denn obwohl die Geschichte aus seiner Sicht erzählt wird ... Bekommt man nichts über ihn mit, außerdem ewigen Hinkelstein auf seinem Buckel mit dem Tod seines Bruders -_-
Sogar die Gefühle für Alexia und Alba sind nicht wirklich ausformuliert.
Auch die anderen Mitglieder von Retrum scheinen eigentlich weder Hobbies noch Gefühle, Regungen oder ähnliches zu haben. Bis auf ihr Aussehen erfährt man fast nichts.
Ich hätte wenigstens gerne ein paar Gedanken, Beziehungen und ähnliches gehabt.
Auch sind einige Szenen und Charaktere unglaubwürdig bzw. lächerlich. Alba zum Beispiel war ja die Höhe! Taucht sie regelmäßig bei Chris auf - oben ohne (oder so gut wie) - oder lädt ihn als einzigen zum Geburtstag ein. Wie einsam und verzweifelt ist dieses Mädchen eigentlich? So verdient man sich doch nicht die Liebe eines Jungen -_- Nennt mich prüde und naiv aber ne du! Außerdem verändert sich kein Mensch, so wie sie es aber getan hat, von heute auf morgen. Die ganze Zeit war sie die liebe, prüde Streberin, die immer in langen Hippiepullovern herumrennt und plötzlich geiffert die ganze Klasse ihr hinterher ... Ich weiß ja nicht ob der Autor je als Teenager zur Schule gegangen ist aber: SO. LÄUFT. DAS. NICHT.

Der Plot

An sich wäre die Geschichte ja spannend gewesen. Ein Spiel mit dem Tod auf Friedhöfen? Ein Mord und ein rachsüchtiger Geist? Klingt spannend.
Tja ... Blöd, dass die Geschichte erst mal ewig braucht, um überhaupt erst mal in Gang zu kommen. Ungefähr dreiviertel des Buches dümpelt die Geschichte ohne viel Handlung dahin. Es passiert nichts neues: Chris trifft Retrum, Chris macht Ritual, Chris macht Ritual, Chris trifft Retrum ... Dann knutscht er mit Alba dann wieder mit Alexia. Jetzt mal ehrlich: Es passiert nicht! Immer wieder das gleiche! Somit zieht sich der Teil des Buches auch ewig ohne einen Ansatz von Spannung dahin. Wirklich unterstützt wird diese Langeweile auch nicht durch die abgehackten Kapitel. Alles wirkt abgehackt und man verliert komplett das Zeitgefühl: Im einen Kapitel liegt noch Schnee im nächsten (drei Seiten weiter -_-)sitzt Retrum dann im Gras?! Das und andere Logikfehler sorgen ziemlich für Verwirrung. So werden die drei anderen von Retrum einen Tag nach dem Mord entlassen und gelten nicht mehr als Verdächtige. Von weiteren Mordermittlungen und ähnlichem hört man auch nichts mehr ...
Auch fand ich die letztendlich Auflösung dann doch recht vorhersehbar. Obwohl die letzten 25 Seiten (es tut mir echt leid, das zu sagen) dann doch ein bisschen Spannung aufbauen und das Ende dementsprechend auch gut war, aber wieder viel zu abgehackt. Trotzdem galt auch hier: Kaum war ein Fakt raus, schon konnte man sich das Ende auch selbst konzipieren. Wirklich schade!

Das Design

Einige Pluspunkte will ich dem Buch aber trotzdem geben. Auch wenn das Cover kein unbedingter Hingucker ist, ist das Innere des Buches wirklich gut gestaltet. Die Seiten sind nach außen hin schwarz gefärbt und haben kleine Farbflecken im Inneren, die wahrscheinlich an Blut erinnern sollen.
Auch gut haben mir die jeweiligen Zitate am Anfang jedes Kapitels gefallen ^^

Mein Fazit

Retrum hätte eine gute Geschichte zu bieten gehabt, der Autor schafft es allerdings nicht diese wirklich spannend auszuformulieren. Flache Charaktere verleihen dem Ganzen auch nicht mehr Spannung.
So leid es mir tut aber Retrum bekommt von mir leider nur 1, 5 von 5 Sternen.