Donnerstag, 18. Juli 2013

Buchrezi: Time Riders; Alex Scarrow

Ich hatte es ja vor kurzem angekündigt: Heute kommt die Rezension zu dem ersten Buch einer recht großen Reihe:

Titel: Time Riders: Wächter der Zeit
Originaltitel: Time Riders: Mess around with time and the world you know... could become a world you don't know
Autor: Alex Scarrow
Seitenzahl: 464
Erschienen: Puffin Verlag; Amerika; September 2013; Thienemann
Verlag: Thienemann
Preis: 12,95€
Amazon: http://www.amazon.de/TimeRiders-W%C3%A4chter-Zeit-Alex-Scarrow/dp/3522201345/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1374068760&sr=8-1&keywords=time+riders
Cover:

Die Story:

Liam hätte 1912 an Bord der Titanic sterben sollen, Maddy 2010 bei einem Flugzeugabsturz und Sal 2026 in einem Feuer. Doch kurz vor ihrem Tod tauch der geheimnisvolle Mister Foster vor ihnen auf und rettet sie. Klingt gut? Da gibt es nur einen Haken: Die drei sind absofort Teil einer geheimen Organisation ohne Namen, die die Geschichte vor Zeitreisenden schützen soll.
Diese verursachen nämlich kleine, oder aber eben auch mal größere, Verschiebungen in der Zeit, was nicht unbedingt gut ist...
Maddy, Liam und Sal sollen zusammen mit dem Klon Bob (mein absoluter Lieblingscharakter) ein neues "TimeRiders" - Team bilden. Und tatsächlich: Kaum sind sie frisch gebackene Agenten wartet auch schon der erste Auftrag: Paul Kramer kommt aus einer zerstörten Zukunft und möchte diese ändern. Deswegen stiehlt er im Jahre 2066 eine Zeitmaschine, die einzige in seiner Zeit, aus einem Museum und reist zurück in die Zeit kurz vor Hitlers Angriff auf Russland. Sein Plan ist recht einfach: Ins Adlersnest maschieren, Hitler davon überzeugen die UdssR nicht anzugreifen, Deutschland gewinnt den 2. Weltkrieg und Kramer wird der neue Führer und sorgt dann dafür, dass die ihm bekannte Zukunft nie eintritt. Und obwohl sich das Schicksal zuerst gegen ihn zu wenden scheint, schafft er es tatsächlich seinen Plan umzusetzen. Doch die dadurch entstsandene Veränderung ruft natürlich die frischgebackenen TimeRiders auf den Plan. Liam wird mit Bob in die Vergangenheit geschickt, um die Verschiebung zu beheben. Doch bald befinden sich er und die TimeRiders im Kampf ums Überleben. Liam gelangt in ein Gefangenenlager.
Auch an Kramer scheint der Besuch nicht unbemerkt vorbei zu schleichen. Denn bei der Öffnung des ersten Rückreisefensters geraten nicht Liam und Bob hindurch sondern ein deutscher Soldat, der tot und entstellt zurückkommt - genauso, wie einer von Kramers Soldaten bei seiner ersten Reise. Er wird parnoid und verrückt, und schafft in seinem Wahn eine Zukunft, die auch für Foster, Saleena und Maddy kein Zuckerschlecken ist.

Der Schreibstil:

Alex Scarrows Schreibstil gefiel mir vergleichsweise gut. Er schafft es einen komplett in die Welt eintauchen lassen und fast immer fühlt man ebenso, was die Charaktere fühlen. Besonders im New York nach Kramers psychischem Verfall, das von Mutanten bevölkert wird, kommt man immer gut rein.
Allerdings finde ich, dass er gerade das Leid in den Gefangenenlagern nicht düster genug porträtiert hat. Zwar ist Liam verletzt und abgemagert, was er auch erwähnt doch es wird kaum mit Umgebung und Farben gearbeitet.
Auch ist ihm der Übergang vom "gesunden" zum "verrückten" Kramer nicht gelungen. Das ist eine Wandlung, für die sechs Seiten in einem Buch von über vierhundert Seiten nicht ausreicht. Zwar beginnt er mit sich selbst zu reden und wird immer paranoider, doch das ganze geht einfach zu schnell. Plötzlich redet er mit sich selbst und auf der nächsten Seite baut er bereits die Bombe? Da wäre wirklich mehr gegangen! Das war zu schnell und lieblos geschrieben.

Die Charaktere:

Die Charaktere haben sich alles in allem gut in ihre geschichtliche Herkunft eingepasst. Liam freut sich wie ein Schuljunge über all die neuen Eindrücke und Errungenschaften seit seiner Zeit und Sal, für die alles unglaublich veraltet ist zieht ihn unglaublich auf und schwelgt manchmal in den nostalgischen Erinnerungen ihres Vaters. Nur von Foster und Maddy weiß ich nicht wirklich, was ich halten soll... Die beiden sind so "farblos" und weisen sich nicht irgendwie durch etwas besonders aus. Maddy sollte anscheinend als Nerd angelegt werden, dass kommt aber nicht wirklich durch.
Bob war im gesamten Buch mein Lieblingscharakter, obwohl er sehr dem klischeehaften Roboter entsprach.
Meiner Meinung nach gab es zu wenig Szenen, um die Antagonisten kennen zu lernen, auch gilt hier wieder: Der Kerl wird verrückt, jetzt streng dich an und mach verdammt was draus!

Der Plot:

Also, mein Problem mit dem Kramer - Plot hab ich ja jetzt schon ausführlich genug behandelt...
Weiterhin finde ich, dass mit dem Buch etwas jeder Deutsche mit den Nazis über einen Kamm geschoren wird. Ja, meine lieben, wir Deutschen sind mal wieder die Bösen. So etwas ärgert mich immer wieder.
Ich weiß, was passiert ist, ich weiß, dass man sich der Geschichte stellen muss, klar.
Aber warum muss der Bösewicht ein Deutscher sein, das zurückreist um Hitler zu unterstützen? Danke, dass wir auch im Jahre 2066 noch Nazis sein werden -_- Warum hat er sich ausgerechnet dieses Datum und diese Position herausgesucht um die Welt zu verbessern? Denn gerade ein Deutscher weiß, dass diese Zeit nichts mit Verbesserungen zu tun hat! Außerdem benimmt er sich als Diktator dementsprechend para. Wenn er dem Volk eine bessere Welt geben will, dann führt er sich nicht als großer Unterdrücker auf. Sorry, aber das kann ich nicht im Geringsten verstehen oder wirklich unterstützen!
Abgesehen davon finde ich auch, dass der Autor sich kaum in die Situation herein versetzen, bzw. ist auch kaum informiert, v.a. wenn es um die deutsche Perspektive geht. Das kann ich ihm als Amerikaner nicht vorhalten, da er ja kein Deutscher ist bzw. kaum etwas darüber lernt (jetzt über Deutschland zu der Zeit), sondern eher über die amerikanische Seite, die da wäre: Hey ja, die Helden gewinnen. Ich hab eine amerikanische Austauschpartnerin und ich weiß, wie groß der Unterschied im Unterricht ist und was wir lernen und was sie lernt.
Allerdings finde ich, dass auch hier gilt: Wenn ich u.a. über wissenschaftliche Tatsachen (und ja, Geschichte ist eben auch eine Wissenschaft). Klar, deutsch denken kann er ja nicht, aber sich vielleicht mal über die Situationen u.ä. informieren wäre evtl angebracht gewesen.
Außerdem waren einige Sprünge sehr verwirrend und weniger förderlich.

Die Kapitelaufteilung:

Kommen wir zu einem recht großen Manko des Buches: Die Kapitelaufteilung war komplett verwirrend und viel zu knapp gehalten! Die Sache mit dem Zeitreisen ist sowieso schon verwirrend genug, wenn die Kapitelsprünge dann aber total unübersichtlich mal nur eine Seite, dann zwanzig Seiten usw. sind, dann ist das der Handlung nicht gerade zuträglich. Ich konnte die Sprünge auch überhaupt nicht nachvollziehen. Klar, wenn die Zeit wechselt u.ä. aber einmal wurde es gemacht, dann wieder nicht. So nicht.

Fazit:

TimeRiders ist ein(e) Fantasy - SciFi - Buch(reihe) mit viel Potential, wenn der Autor einige Ungereimtheiten ausmerzt und seine Charaktere entwickelt. Im Allgemeinen liegt das Buch bei mir im unteren Mittelbereich mit zweieinhalb Sternen,