Freitag, 27. September 2013

Buchrezi: dead.end.com von Alice Gabathuler

Info:

Titel: dead.end.com
Autor: Alice Gabathuler
Genre: Thriller
Seitenzahl: 288
Erschienen: Thienemann Verlag (Juli, 2011)
Preis: 12, 95
Amazon: http://www.amazon.de/dead-end-com-Alice-Gabathuler/dp/3522200640/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1380283473&sr=8-1&keywords=dead.end.com
Cover:


Die Story:

Für die Gamer Gerti und Mo ist es die ultimative Chance: Sie und ihre Teams können zur Betaphase des Computerspieles dead.end.com und das Spiel noch vor allen anderen anzocken. Noch besser: Für das Gewinnerteam gibt es sogar noch Geld zu gewinnen.
Doch man darf nicht zimperlich sein, denn allen Teilnehmern werden sämtliche Recht genommen, zusammen mit ihren Kollegen und Gegnern werden sie Tage lang unter der Erde eingesperrt und spielen durch.
Schon bald allerdings beginnen Spieler, die im Spiel sterben zu verschwinden und die Realität vermischt sich mit der virtuellen Welt.
Wer spielt falsch? Mitspieler, Organisatoren, oder doch jemand Außenstehendes? Die Jugendlichen stehen unter Druck und vergessene Vergangenheit kehrt ans Licht zurück.

Die Autorin:

Alice Gabathuler wurde 1961 in der Schweiz geboren und wuchs dort mit ihren beiden Brüdern auf. Sie ist
studierte Englischlehrerin, war aber unter anderem auch schon Radiomoderatorin oder Werbetexterin.
Heute lebt sie mit ihrer Familie, ihrem Ehemann, zwei Kindern und einer Katze, in der Schweiz.
http://www.alicegabathuler.ch/

Der Schreibstil:

Der Schreibstil ist sehr jugendlich gehalten und es fließen sehr viele Schimpfwörter und Umgangssprache ein. Man kommt auch größtenteils sehr schnell durchs Buch hindurch (was aber eher an der Seitenzahl liegen könnte.).
Und trotzdem hatte ich damit so meine Probleme:
Denn viel klingt einfach nur abgehackt, gezwungen, aufgesetzt oder nach einem verzweifelten Versuch Spannung zu erzeugen. Letzteres wird gerade durch unglaublich viele Ellipsen (denn die Autorin scheint keinen großen Wert auf Subjekte zu legen) sehr auffällig und v.a. nervig.
Auch das Tempus sollte sich im Verlauf des Buches ziemlich zum Stolperstein wandeln. Das Buch ist nämlich im Präsens geschrieben, was, so finde ich, immer etwas anspruchsvoller ist, da die Gegenwart sehr oft recht abgehackt klingt (Versucht doch einfach mal euch eine kleine, Fünf- Sätze - Geschichte auszudenken und erzählt sie einmal im Imperfekt und einmal Im Präsens). Anfangs ist es mir fast nicht aufgefallen, doch mit der Zeit wurde es immer auffälliger und störender.
Auch die hohe Ansammlung von Jugendsprach klang vielmehr aufgesetzt, als echt. Ich nehme an, dass die Autorin einfach zur falsche Generation gehört. Wirklich, niemand spricht so. Das ist nicht spannend, volksnäher oder ansprechender für Teenager, sondern störend und enttäuschend und vergrault die eigentliche Zielgruppe. Und erweckt den Eindruck, als wolle die Autorin alles, nur nicht alt werden. Denn die Zielgruppe denkt sich da nur: Alte Frau, wie doof ist das denn geschrieben?
Eine Kleinigkeit, die wahrscheinlich nur mich genervt hat: Die Charaktere sprechen sich teilweise mit vollem Namen an ... Das ist etwas, dass machen Trolle in Fantasybüchern aber nicht in der realen Welt! Da sagt man entweder Vorname oder Herr Nachname!
Alles in allem wirkt das Buch sehr primitiv geschrieben.

Die Charaktere:

Nicht einmal mit den Charakteren war ich vollauf zufrieden. Erstens nervt es mich schrecklich, wenn eine Geschichte in einem bestimmten Land spielt und dann haben die Leute alle Namen nur nicht die, aus dem Land. Ich meine klar gibt es überall Einwanderer und Eltern, die ihren Kindern ausländische Namen geben, aber es scheint mir unwahrscheinlich, dass gut 18 von 20 Charakteren eingewandert sind. Bitte, bitte, bitte, das nervt echt.
Auserdem nervt es, dass die Autorin alle Charaktere in Klischees und Gruppen einteilt: Wir haben den fetten Nerd, den aggressiven Gamer, die "Lara Croft" (ich denke, da war jemand stolz, dass er tatsächlich einen Begriff gefunden hat, der mit Computerspielen zusammenhängt), die Kampfelfe, usw. Also Sachen, die wirklich nicht auf alle zustimmen! Ich meine klar, es gibt immer wieder mal ein lebendes Klischee, gut, aber jeder, wirklich jeder Charakter entsprach einem, ich wusste nicht einmal, dass es so viele gibt! Auch die Teilnehmerteams waren netürlich wieder "Gruppen", Skinheads, "Elfen", Goths... Schon mal daran gedacht, dass einige nichts mit Games zu tun haben und sich vielleicht nicht unbedingt jeder in eine Schublade stopfen lässt? Klar, wenn ich etwas nicht verstehe, dann ist es so natürlich leichter ... Ach ja, nochwas: Natürlich, denken die fetten Gamer auch alle wie Perverslinge: Ich meine, wenn ich nie ein Mädchen abbekomme, dann kann ich ihnen wenigstens hinterhergeiffern. Und sie ordnen jeden Spieler auch sofort in irgendein Spiel ein (Okay, das einzige, dass die Autorin zu kennen scheint ist sowieso Tomb Raider). Ich meine klar sehe ich auch mal eine Person und denke mir: "Wow, die sieht jetzt aber genau so und so aus", aber doch nicht bei jedem! Sorry, aber das geht echt nicht! Es ist nicht nur demütigend und beleidigend sondern auch nervig. Ich bin auch Gamer und Otaku und genau deswegen nervt mich diese "Einteilung" auch. Ich bin mir sicher, dass die Autorin nicht einmal ansatzweise eine Ahnung von irgendwelchen Jugendszenen hat.
Ein Problem haben die Charaktere noch mit Tiefe: Denn jeder Charakter ist in der Ich - Perspektive geschrieben (Es steht dann immer Mo, Greti oder Carlos darüber). Dies scheint zuerst so zu wirken, als würde es sogar noch helfen sich in die Charaktere einzufinden, aber - Pustekuchen. Hin und wieder erhält man so eine bessere Einsicht auf die Gedanken eines Charakters aber von der Vorgeschichte bekommt man überhaupt nicht mit - Sorry aber klarer Fall von nicht gut genug ausgeschöpft.

Der Plot:

Die Geschichte zu dead.end.com erschien mir zu Anfangs noch ganz spannend. Ich meine, da ich selber Computerspiele liebe - warum nicht? Ich hatte mir das Buch als Einstimmung für die Gamescom gekauft (bin aber an dem Wochenende nicht dazu gekommen und habe es dann in Amerika gelesen).
Zuerst hat mir das Buch auch sehr gut gefallen, denn schnell wurden Fragen aufgeworfen und die Geschichte nahm an Tempo auf, doch gerade in dem Moment, in dem man denkt, jetzt geht es erst richtig los, sinkt der Spannungsbogen abrupt und in einem irren Tempo. Somit erreicht das Buch nicht einmal seinen potentiellen Höhepunkt. Außerdem entwickelt sich die Geschichte immer mehr zu einer 0815 Story.
Denn ab dem Punkt, ab den man den Einblick in Mos Vorgeschichte erhält, bekommt man erst zwei Seiten Spekulationen über das Gamer - Amokläufer - Thema geboten (Danke! Genau das hab ich gebraucht), mit einer "Diskussion", die sich in jedem zweiten Satz selbstwiderlegt und damit eigentlich auch keine Botschaft verschickt. Denn diese Geschichte wird dann aber auch nicht weiter ausgeführt, stattdessen greift die Autorin plötzlich eine gesamt andere Storyline auf und lässt alles hinter sich, was sie vorher geschrieben hat.
Diese wird dann aber viel zu früh, so ziemlich nach zwei Dritteln des Buches aufgelöst, sodass, gut hundert Seiten total überflüssig waren.
Der gesamte Verlauf des Buches ist auch sehr verwirrend gestaltet und hat so gut, wie keine Beständigkeit. Denn der Spielverlauf ist viel zu schnell und zu unlogisch gestaltet und beschrieben. Alles eskaliert zu schnell und man hätte viel mehr herausholen können.
Viele Szenen sind auch unlogisch gestaltet, da Objekte verschwinden, nicht gestohlen werden, sondern von der Autorin übersehen und vergessen! Und auch jeder Charakter kennt irgendwie auf einmal jeden, auch wenn er die anderen noch nie vorher getroffen hat.
Dazu kommt auch noch, dass die Einschnitte immer sehr plötzlich kommen und riesige, verwirrende und unlogische Sprünge und Zeitswitches mit sich ziehen. Wieder einmal wirkt es auf mich, als würde die Autorin damit nur verzweifelt versuchen Spannung zu erzeugen.
Oben habe ich ja auch bereits erwähnt, dass jeder Hauptcharakter in der Ich - Perspektive geschrieben worden ist. Dies ist sehr verwirrend, v.a. wenn man versucht nach einer Lesepause wieder hineinzukommen, da man immer erst noch einmal von vorne anfangen darf, nur um zu wissen um wen es momentan gerade geht. Dadurch ist es sehr anstrengend der Geschichte zu folgen.
Ab der Hälfte des Buches kommen dann aber auch noch weitere Szenen dazu: Denn anscheinend wurde es zu langweilig immer nur als "Ich" zu schreiben und was tun? Ganz klar: Wir fangen an Ganze Kapitel nur in direkter Rede zu schreiben! Ab da verliert man völlig den Faden. Denn man weiß nicht einmal mehr, wer gerade mit wem redet und was sich abspielt. Anscheinend wurde auch das der Autorin zu doof, weswegen plötzlich dann auch Handlungen in diesen Episoden vorkamen! What?
Verwirrend, störend und fast unmöglich sich überhaupt noch irgendwo einzufinden.

Das Design:

Irgendetwas muss mir aber auch gefallen haben. Deswegen kommt hier das Design.
Das Cover mag ich nicht, allerdings sind die Kapitelüberschriften (von denen gab es ja genügend) schön gestaltet. Denn die, die während dem Spiel spielen sind mit diesem Covertunnel versehen und die der Szenen danach einfach nur grau. Interessante Idee.

Mein Fazit:

dead.end.com hat mich zutiefst enttäuscht. Das Buch hätte so viel mehr gekonnt! Außerdem ist es leider wieder sehr klischeeverstärkend und nervt deswegen ziemlich. Leider ist es auch ein perfektes  Beispiel dafür, dass man kein Buch über etwas schreiben kann, dass man nicht versteht, womit man sich nicht auskennt und nicht darüber informiert hat, und zu dessen Generation man einfach nicht gehört (und man sollte nicht versuchen dazuzugehören). Leider, leider leider also nur 1 Stern von 5 von der entsprechenden Generation.
Und den sarkastischen Schlusskommentar spare ich mir jetzt, da ich mir damit wohl ziemlichen Ärger einhandeln könnte.