Sonntag, 13. Oktober 2013

Gamer lesen nicht mehr und verblöden?

Ja, es tut mir leid, aber ich muss mich mal wieder etwas aufregen.
Ich weiß ja nicht, wer's mitbekommen oder sogar gesehen hat. Aber neulich, ich glaube am 9. oder so, kam auf einem der ZDF - Untersender eine Art Talkshow zum Thema: Sind Games verspielte Lebenszeit.
Ich bin drauf gekommen, da ich ein großer LeFloid - Fan bin, der ja dort ebenfalls als Gast eingeladen war. Ich hatte mir auch, tief in mir drin, eine SERIÖSE Diskussion erwartet, da der Titel sehr nach "Jugendshow" klingt. Allerdings war ich da einfach nur naiv. Klischees, soweit das Auge reicht! Da ich den Untersender nicht empfange habe ich mir das Video später online angesehen ( Nämlich HIER ) und muss sagen ... WHAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA! Was geht ab, Welt? Wie dumm bist du eigentlich?

Allein der Einleitungssatz der Moderatorin ließ mich denken: Wie doof bist du? Wie hast du nur die Schule überstanden? Denn wir spielen Krieg in Parallelwelten wie in World of Warcraft. Ja ... Ich bin kein WoW - Zocker ... So funktioniert das nicht. Aber wahrscheinlich braucht man für solche Sendungen genau solche Menschen, die alles nicht verstehen. So lässt sich die "Diskussion" besser entfachen. Außerdem klang er unglaublich einstudiert, ebenso, wie die passende Mimik und Gestik! Ich hatte nicht einmal eine Minute hinter mir und die Frau hat mich genervt, wie sonst was, so falsch! Spätestens, als das Gespräch dann auf GTA V und die Freunde, die wir dann an die Controller verlieren fiel ... (ich bleib ruhig).
Kommentar des Moderators war dann auch: "Wir wollen weiterdenken, als nur an das Killerspieleklischee!
Ja, deswegen hängen wir uns gleich an GTA auf und der unglaublich schrecklichen Folterszene (okay, schrecklich war sie ja auch!), die ja auch den Spieler zum foltern bringt. Das man sich danach alles andere als gut fühlt, so als Gamer und, dass die Szene eigentlich genau das Gegenteil bewerkstelligen soll (laut Entwicklern), nämlich den Gedanken: Folter ist schlecht - Das ist nicht erwähnenswert oder wie? Denn auch Spiele üben immer eine gewisse Gesellschaftskritik. Genau. Man muss nicht mal Spok sein, um die Nichtlogik dahinter zu entdecken.
Was auch wundervoll nervig war: Die kleinen Zwischensequenzen mit einem Synchro - Deppen, der nochmal so richtig über alles ablästert.
Sämtliche Macher, Moderatoren, sowie der Gast, auf den ich später noch zurückkommen werde, waren komplett uninformiert. Keiner dieser schien mir je wirklich auch mal (gute) Spiele gezockt oder überhaupt angesehen zu haben. Auch wurde viel zu viel verallgemeinert!

Wer mich aber auf die Palme gebracht hat war der zweite Gast, neben Floid. Deutschlehrer und Professor und Autor eines Buches über den Spaß am Lesen. Ich denke, die, die es bereits mitbekommen haben, werden den Namen kennen. ich werde ihn jetzt nicht nennen, da ich an meinem Blog hänge und mir keinen Ärger einhandeln will.
Natürlich haben Floid, die Community (okay, dort gab es auch sehr uninformoerte und dumme Fragensteller) und andere Gäste, dem netten Herrn Einhalt geboten und mit sehr guten Argumenten gekontert, trotzdem möchte ich hier persönlich noch auf einige Aspekte eingehe. Ich bin jemand, der sich sehr in Dinge hereinsteigert, wen das stört, der sollte lieber abschalten. Außerdem fühle ich mich teilweise wirklich angegriffen von einigen Äußerungen, falls sich jemand fragt, warum ich denn überhaupt darauf eingehe. Denn ich - okay, ich bin sowieso eine seltene Spezies: Ich bin ein zockendes Mädchen! - liebe es zu lesen, liebe es zu schreiben, denke auch, ohne anzugeben, dass ich auch ein recht hohes sprachliches Niveau habe, liebe es aber ebenso zu zocken. Selbst kenne ich auch recht viele Mädels (um noch einmal das Zockergirl aufzugreifen), die ebenso lesen, schreiben oder anders kreativ tätig sind! Natürlich, spreche auch ich Jugendsprache, logo!
Ich stimme dem Herrn natürlich soweit zu, dass eine gute Sprache und Denkfähigkeit vom Lesen gefördert werden und auch sehr wichtig sind, keine Frage! Allerdings sollte man auch hier zwischen der gesprochenen und der geschriebenen Sprache unterscheiden! Denn das ist doch das Tolle, gerade an der gesprochenen Sprache: Sie ist ständig im Wandel und bleibt nie gleich. Das hat nichts mit Niveau zu tun, es war schon immer so! Dieser Aspekt wird vollkommen außer Acht gelassen! Auch Spieler unterhalten sich auf normalem sprachlichen Niveau, dieses entspricht aber eher dem der gesprochenen Sprache!
Vergessen darf man ebenso wenig auch die Community, die hinter Spielen steht! Denn auch Videospiele können das sprachliche Niveau fördern!
Außerdem: Viele spielen ihre Games zum Beispiel auch auf Englisch, im Originalton. Dadurch lernt man ebenso die Sprache, noch besser, man lernt eine lebendige Sprache! Hier gilt: Games haben einfach einen größeren Reiz für die Jugend, als ein Englisches Buch. Man sollte jedem den eigenen Anlass zum Lernen lassen! Also: Nicht immer alles verteufeln.
So darf man das Internetphänomen der Fanfiktions nicht außer Acht lassen! Fanfictions (von Englisch fiction = Fiktion/ freie Erfindung/ Literatur; also Fanliteratur) sind selbst erdachte Geschichten zu bereits existierenden Franchises, wie bestimmten Animes, Serien, Filmen, die von Fans, wie der Name schon sagt geschrieben werden. Zwar hat man hier eine sehr große Schere von "grottenschlecht" bis "wirklich gut und nah am Original", doch das Schreiben hilft, noch mehr, als das Lesen, eine gute Sprache zu entwickeln. Somit werden auch Fanficautoren, von Geschichte zu Geschichte besser. Auch hier hat man ein gutes Beispiel für Zocker und Nerds, die ebenso Spaß an der Sprache haben, wie an ihren Spielen! Auch Dojinshis, v.a. in der Manga - und Animeszene populäre selbstgemachte (Fan -) Comics, bei denen ebenso gezeichnet, wie geschrieben wird, zeigen: Auch Geeks beschäftigen sich mit Sprache!
Ach ja, apropos Bücher: Es gibt auch Bücher zu beliebten Videospielen, wie etwas Resident Evil oder Assassins Creed. Diese sind auch mal gut und gerne mehrere hundert Seiten lang und verkaufen sich super!
Ebenso wenig trifft das Klischee (oh, Klischees, sehr beliebt in dieser Sendung!), Gamer würden sich kaum aus dem Haus trauen, das zwar etwas vom Thema ablenkt, dennoch viel zu oft angesprochen wurde, nicht zu. Denn, wenn man sieht, wie viele Leute sich wieder auf der gamescom getroffen haben, neue Freundschaften geschlossen haben und, und, und. Dann kann man nicht sagen, dass Gamer kein Real life hätten! Vielleicht ist es anders, als "gewöhnlich". Doch hier wieder die Frage: Was ist gewöhnlich überhaupt? Nicht alles, was man nicht kennt ist schlecht!
Auch die Kreativität wird gefördert, nicht nur durch Fanfics oder Dojis. Nein, auch Cosplays (von Engl.: costume play = Kostümspiel) werden für Coventions, wie die gamescom angefertigt. In Kleinarbeit wird das Ganze selbst genäht, sowie Accessoires gebastelt. So eignet man sich neue Fähigkeiten an!
Ebenso werden Fanarts (Fankunst) gezeichnet, usw. Bilder, die ein Franchise noch einmal ganz eigen interpretieren!
Hier kommen wir zur nächsten unüberlegten Behauptung: Games, insbesondere Gamedesign, sei keine Kunst und verdränge Fotografie und "echte Künstler", wie eben aus Film und Fernsehen. Jetzt kann man sich darüber streiten, ob ein Til Schweiger, dessen Filme, die ich im Übrigen auch hin und wieder sehe, immer gleich aufgebaut sind, nun ein Künstler ist oder nicht. Ich meine, ich habe nichts gegen seine Filme, aber gleich sind sie trotzdem immer wieder.
So steckt in einem Film - , sowie einem Spieldrehbuch mindestens die gleiche Arbeit! Hinzu kommt bei dem Spiel aber meistens noch die Grafik. Hier haben sich recht viele Unterbranchen entwickelt, wie Characterdesign, das ich evtl. später einmal studieren möchte (wären da nicht auch noch die tausend anderen Berufe). Sollte man sich hier einmal all die Designs und Entwürfe anschauen, die vor einem Spiel gemacht werden und dann doch nicht im Endprodukt auftauchen, wird einem der Mund offen stehen. Zwar liegt Kunst im Auge des Betrachters, aber auch Spielegrafiken sind mit unglaublich vielen verschiedenen Techniken entstanden und ebenso viele Fähigkeiten muss man besitzen. Dies darf nicht außer Acht gelassen werden!
Auch zur Aussage, Videospiele und das Internet würden die Fotografie verdrängen habe ich etwas zu sagen! Lautstark! Denn das genau Gegenteil ist der Fall.
Gerade das Internet bietet allen Künstlern, insbesondere aus der Indie - Szene, immer mehr Chancen! So auch den Fotografen. Denn diese können auch ihre Kunst offen ausstellen und verkaufen, ohne größere Gebühren oder den Frust einer Ablehnung durch eine Galerie!
Auch das oben genannte Cosplay, ein Trend, der erst durch Videospiele, Comics und Mangas, oder eben auch das Internet, populär und möglich geworden ist, bietet Fotografen freie Entfaltungsmöglichkeiten! Denn auch Cosplayer sind immer auf der Suche nach guten Pics! So gibt es Leute, die nur um des Fotografieren Willens auf Cons gehen!
Um auch immer das letzte Wort zu haben, lässt uns der nette Herr Lehrer auch an seinem Privatleben (ein Wort, das echten Gamern natürlich fremd ist) teilhaben. So erzählt er auch die ein oder andere Anekdote, die er immer mit 'Ich höre, auch, dass ...' einleitet. Also sehr zuverlässige Quellen! So zum Beispiel die Geschichte eines 14 - jährigen Mädchens, welches ihren Vater angefleht hatte ihr doch GTA V zu kaufen. Das eskalierte dann so weit, dass sie ausflippte und heulte, brotzelte und schrie, wie unfair er doch wäre und wie scheiße ihr Leben doch ist. Klarer Fall von 1. World Problem. Denn das kennen wir doch irgendwoher, wie die eingeladene Psychologin schon sagte: Egal, ob neuste Mode, CD oder neustes Smartphone, das gibt es immer. Nennt sich auch Pubertät, wenn plötzlich alles unfair ist. Glaubt mir: Zwei, drei Jahre später wird man dann vernünftiger. Auch wenn ich hin und wieder ziemlich auf sie schimpfe: Einige Altersbegrenzungen ergeben doch Sinn. Das hat überhaupt nichts mit Videospielen zu tun. Ich wage sogar zu behaupten, dass das gerade beim Thema Mode, noch viel schlimmer werden kann.
Dann noch der Teil mit den aggressiven Spielern. Das ist so verdammt tot gequatscht! Aber der Herr musste es ja noch einmal aufgreifen, wäre ja auch zu schön gewesen!
Aber mal ehrlich: In Spielen wird das Töten nur gezeigt, in Büchern beschrieben! Denn Bücher können teilweise um einiges ekliger sein! So kann ein Buch einem eher das Bauen von Waffen lehren, als ein Spiel, da es die Anleitung liefert und nicht nur Knöpfe gedrückt werden!
Jetzt möchte noch auf weitere "Hobbies", die eigentlich keine sind, die eine größere Gefahr ausstrahlen, wie Games. Ich will jetzt Sachen, wie Komasaufen nichta als Hobbies bezeichnen, ebenso bezeichne ich Zocken aber auch nicht als Hobby, vielleicht als eine Mischung aus Hobby und Unterhaltung, aber bei mir dient es eher der Zerstreuung.
Denn es gibt weit aus gefährlichere Trends in der Jugend, die einfach totgeschwiegen werden! Wie wäre es mal mit einer Talk Show übers Komasaufen? Okay, man redet drüber, aber Fakt ist, dass Gamestories immer mehr aufgebauscht werden! Das mag wohl daran liegen, dass es etwas weniger "verbreitet" erscheint und die meisten es nicht verstehen. Ich allerdings finde es wäre doch eher einen Facepalm wert, wenn ich höre, dass eine meiner Klassenkamardinnen es geschafft hat auf dem Schüztenfest wegen zu viel Alkohol ohnmächtig und ins Krankenhaus eingeliefert zu werden.
Oder (okay, is jetzt nicht gefährlich, läuft aber nach dem selben Motto): Es stört niemanden, wenn sich wieder irgendwelche Fußballfans die Köpfe einschlagen!
Es ist "normaler" und Menschen hassen es, wenn man ihnen die eigenen Fehler vorenthält. Deswegen stürzt man sich auf Minderheiten! Blöd nur, dass sich auch Minderheiten angegriffen fühlen!
Allerdings habe ich auch zu einer von LeFloids Behauptungen etwas zu sagen. Denn Bücher treiben einen genauso wenig in eine Fantasiewelt, wie Spiele. Natürlich, verschlingt einen ein Buch, wenn es gut geschrieben ist, aber auch nur für die Zeit des Lesens. Weder Bücher noch Filme machen einsam. Das ist immer etwas, das auch auf die Person selbst ankommt und Einzelfälle, die weder etwas mit Games und Büchern zu tun haben. Denn beides kann auch eher genau das Gegenteil bewirken: Gesprächsstoff! Wer meine Rezi zu City of Ashes gelesen hat, der wird bestimmt auch die kleine Anekdote gelesen haben: Ich bin in Amerika mit jemandem direkt ins Gespräch gekommen, nur, weil ich das Buch gelesen habe. Ich verdanke also einem Haufen Papier einen Haufen schöne Erinnerungen. Ebenso bin ich aber mehr oder minder übers Zocken wieder mit einer alten, wirklich guten Freundin, die ich etwas aus dem Blick verloren hatte, wieder in Kontakt gekommen. Auch hier lässt sich nichts verallgemeinern.
Zum Schluss noch ein paar eher witzige Dinge, die mir im Verlauf der Sendung aufgefallen sind: Erst hat dieser "Experte" gemeint, er müsste erzählen, wie er selber mal für zwei Wochen videospielsüchtig war ... Lächerlich. Man ist nicht mal eben für zwei Wochen süchtig. Nicht nach Zigaretten, nicht nach Alkohol und nicht nach Videospielen. Wieder einmal zeigt er, dass er zu allem etwas beitragen muss und immer das letzte Wort haben muss. Dabei versteift er sich auch viel zu sehr auf seine Meinung!
Wirklich lustig, war die Mimik LeFloids bei den Tiraden des Lehrers. Man hat richtig gesehen, wie er ihn genervt hat. Auch die Mimik der anderen Youtuber, wie David Hain und Frodo, den ich von dem Kanal Doktor Froid kenne, war wirklich göttlich. Beiden hat man angesehen, wie lächerlich sie alles fanden. Das im Übrigen auch bei anderen Jugendlichen im Publikum.
Auch das Votingergebnis am Ende der Sendung war eindeutig: 97 für LeFloid, ganze 3 für den netten Deutschlehrer.

Es tut mir leid, aber das musste ich jetzt loswerden. Ich bin euch nicht böse, wenn ihr den Post nicht bis zum Ende durchgehalten habt. Wer jetzt trotzdem am Schluss dieses riesigen Aufregposts angekommen ist: Respekt an euch Leute, ihr habt wirklich Sitzfleisch. Ich bedanke mich, für eure Aufmerksamkeit und mich würde mal interessieren, wer denn die Sendung gesehen hat, was ihr davon haltet, zustimmt, nicht zustimmt, zockt, liest, usw.
Ich habe die Sendung im übrigen mal meinen Eltern "ans Herz geleget", einfach, weil ich sehr gespannt auf ihre Meinung bin.
Damit verabschiede ich mich und wünsche euch eine gute Nacht!